Haudegen / Autogrammstunde und Akustik-Gig

Startdatum: September 25, 2015 Enddatum: September 25, 2015 Ganztägig
Media Markt Open Air Bühne am ALEXA (Ravelinplatz)

Künstler Haudegen / Akustik-Gig und Autogramme
Ort:            Media Markt Open Air Bühne am ALEXA (Ravelinplatz)
Datum:     25.09.2015 um 18.00 Uhr

MM

HAUDEGEN – OHNE FREUNDSCHAFT IST ALLES NICHTS von: MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK

Während der Haudegen im Europa des 16. Jahrhunderts eine effiziente Fechtwaffe war, bezeichnet man heute mit einem Haudegen einen kämpferischen durchsetzungsfähigen Menschen. Viel treffender könnte man die Musik der Berliner Band Haudegen um die beiden Sänger Hagen Stoll und Sven Gillert nicht in Worte fassen. Haudegen, dahinter stehen in der Tat zwei kämpferische, durchsetzungsfähige Menschen. Hieb- und stichfest sind die schweren Kerle mit den großen Herzen unbedingt. Zwei Freunde, die laut eigener Aussage „gewohnt sind, den Dreck der Straße zu fressen, seit der Kindheit, ohne dass wir deshalb irgendwann nicht wieder aufgestanden wären, ausgespuckt hätten und unbeirrt weitergemacht.” Die Geschichte des Duos klingt in unseren schnelllebigen, leidenschaftslosen Zeiten geradezu auffällig kitschig und – im besten Sinne des Wortes – sentimental. Das Schönste daran: Sie ist in ihrer Originalität zu hundert Prozent wahr. Und es ist eine packende, berührende Geschichte. Hagen und Sven stammen aus dem Ostberliner Bezirk Marzahn. Sie kennen und schätzen sich gegenseitig seit ihrer ersten Begegnung 1983 und treten bis 2009 unter ihren Künstlernamen Joe Rilla bzw. Tyron Berlin als Solo-Rapper auf. Ein Jahr später treffen sie eine folgenschwere Entscheidung: Gründung von Haudegen, weg von aggressiven HipHop-Klängen, hin zu „Hoffnungsmusik”, wie sie ihren Sound seither definieren. Zwei Alben entstehen, „Schlicht & Ergreifend” 2011, im Jahr darauf „En Garde”. Beide entern die Top 10 der deutschen Charts, das Debüt bringt dem Zweier zudem eine ECHO-Nominierung ein und hat vor kurzem Gold-Status erreicht. Ein Traum vor allem von Hagen Stoll wird wahr, denn er hat sich kaum etwas sehnlicher gewünscht, wie er gesteht, „als einmal diese Goldene in Händen zu halten.” Es folgen unzählige Live-Shows, etliche Fan-Events, breite Medienpräsenz. In kurzer Zeit wird klar, dass Haudegen mehr als nur eine weitere gesichtslose Band sind, stattdessen stecken dahinter wahre Kumpane, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Die auch mal deftig streiten können. Und genau deshalb geht man Ende 2013 eine Zeitlang getrennter Wege. „Wir hatten uns tot gespielt”, erklärt Gillert die Haudegen-Pause, „wir wollten einfach mal etwas ohne den Anderen machen. Die gemeinsame Musik ist ja aus einer innigen Freundschaft heraus entstanden. Doch irgendwann kamen wir an einen Punkt der Leere. Dadurch entstand eine gewisse Distanz. Wir wollten eigene Sachen durchziehen. Trotzdem waren wir regelmäßig in Kontakt zueinander, unsere Verbundenheit stand nie in Frage. Ohne unsere Freundschaft ist alles nichts. Ohne die gäbe es Haudegen nicht.” Jetzt also „Lichtblick”, der dritte Album-Streich. Der beeindruckende akustische Beweis dafür, dass unter dem Segel der absoluten Zweisamkeit die packendsten, emotional berührendsten Lieder entstehen können. „Wir haben den Albumtitel aus zwei Gründen ganz bewusst gewählt”, erklärt Hagen: „Zum einen drückt er die Wiederkehr unserer Freundschaft aus, die rund 18 Monate auf Eis lag. Nicht weil wir uns gestritten oder gar gefetzt hatten. Wir verfolgten einfach nur unterschiedliche Interessen. Zum anderen sind wir der festen Überzeugung, dass am Ende jedes Tunnels das Licht des Glücks erscheint – ein Lichtblick eben. Gleichzeitig sind wir uns darüber bewusst, dass wir in einer recht dunklen Zeit leben. Die braucht Lichtblicke umso mehr.” „Es gab durchaus einige Turbulenzen zwischen Hagen und mir”, bekennt Sven. „Und genau daraus entstand dieses Monster-Album! Der Außenstehende kann erkennen, wie stark unsere Freundschaft letztlich ist. Sie geht verschlungene Wege, aber sie ist in ihren Grundfesten nicht zu erschüttern.” Und Stoll fügt hinzu: „Wir haben uns für „Lichtblick” wider die Schnelllebigkeit der Moderne sehr viel Zeit gelassen. Nur aus diesem Grund konnten wir etwas Besonderes schaffen. Wir brauchten eine Auszeit voneinander, um uns darüber im Klaren zu werden, wofür Haudegen überhaupt steht.” „Haudegen sehen sich als Überbringer der guten Nachricht in finsterer Zeit”, ergänzt Bandkollege Sven Gillert. „Das mag pathetisch klingen, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Wir bezeichnen unsere Lieder bewusst als „Gossen-Poesie”. Der Begriff steht ganz in der Tradition unserer Idole, etwa der Liedermacher Reinhard Mey, Hannes Wader oder Klaus Lage. Und wir sind keine Singer/Songwriter, wir sind Liedermacher. Denn hinter diesem Ausdruck steckt pure Poesie, in ganz altmodischem Sinn.” „Der Grundgedanke des Zusammengehörigkeitsgefühls ist nach wie vor derjenige, der uns am meisten beschäftigt”, sagt Stoll, „und der ist keine Phrase für uns. Wir sind ehrliche, aufrichtige Burschen, die unbedingt an ihr Ding glauben. Und gerade weil hinter uns keinerlei Kalkulation steckt, ecken wir immer wieder an. Womit wir allerdings sehr gut umgehen können, wir sind ja Haudegen”, lacht er. Die Worte „Hoffnung” und „Zusammenhalt” waren die entscheidenden gewesen beim Schreiben der aktuellen Texte. „Diese galt es, mit Authentizität und Ehrlichkeit zu füllen”, erläutert Sven. „Wir wollten, frei nach dem Eröffnungstitel des neuen Albums „Zusammen sind wir weniger allein”, für ein Miteinander sorgen – mit den Texten wie mit der Musik. Der alte Wert von unabdingbarer Freundschaft, darum geht es. Kommt zusammen, Leute! Schaltet einfach mal das I-Pod aus.” „Wir sind definitiv die „Gebrüder Schlimm”, wie einer unserer aktuellen Songs heißt”, grinst Hagen. „Tatsächlich sind wir Straßenköter, denn wir kriegen das Gefühl der Straßen-Zugehörigkeit niemals aus uns heraus. Auf der anderen Seite sind wir notorische Geschichtenerzähler. Unsere Musik steht für Filme im Kopf. Und bei jedem Zuhörer wird, das ist uns sehr wichtig, ein anderer, radikal persönlicher Film abgespult.” „Unsere Fans identifizieren sich mit Hagen und Sven als Charakteren”, ist Hagen Stoll überzeugt, „sie projizieren sich eher auf uns als Typen, gar nicht ausschließlich auf unsere Musik. Wir handeln stets nach unserem Instinkt und Bauchgefühl. Nach solchen Typen sehnen sich gar nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft.” „Wir müssen unsere „Werte-Welt” auf dieser dritten Platte nicht mehr erklären”, schnauft Sven tief und zufrieden durch. „Wir halten seit jeher gerne und ganz bewusst alte Tugenden des menschlichen Miteinanders hoch: Solidarität, Gemeinschaftsgefühl, Toleranz. An diesen Idealen hat sich für uns nie etwas geändert. Und nein – wir wollen kein Pathos vermitteln. Wir wollen einfach nur wir selbst sein. Und so was wie die ziemlich besten Freunde unserer Fans.”